Schneelast · Bodensee bis Allgäu
Schneelast: Warum ein Terrassendach in Isny sechsmal mehr tragen muss als in Friedrichshafen
Kaum eine Region in Deutschland hat auf so kurzer Strecke so unterschiedliche Schneelasten. Vom Seeufer bis ins Westallgäu sind es 40 Kilometer – und drei Schneelastzonen. Hier sehen Sie, was für Ihren Ort gilt, und können die Last selbst berechnen.
Am Bodensee und im Schussental gilt meist Schneelastzone 1: In Friedrichshafen sind das rechnerisch 0,65 kN/m² am Boden, in Ravensburg rund 0,74 kN/m². Zone 2 gilt unter anderem in Tettnang, Langenargen, Kressbronn und Lindau (rund 1,2–1,5 kN/m²). Im Westallgäu – Wangen, Leutkirch, Isny, Kißlegg, Argenbühl – gilt Zone 3 mit rund 2,8 (Wangen) bis 3,9 kN/m² (Isny) in den Ortsmitten. Auf einem flachen Terrassendach sind das zwischen rund 53 und 320 kg je Quadratmeter.
Die drei Zonen der Region
Von 53 bis 320 kg je Quadratmeter
Werte für die Ortsmitte, berechnet nach DIN EN 1991-1-3 mit Nationalem Anhang. Die Last auf dem Dach ist die Bodenlast mal 0,8 – das gilt für Terrassendächer bis 30° Neigung.
Zone 1 See & Schussental
0,65 bis rund 1,0 kN/m²
- Friedrichshafen, 400 m: 0,65
- Überlingen, 403 m: 0,65
- Ravensburg, 450 m: 0,74
- Markdorf, 453 m: 0,74
- Weingarten, 485 m: 0,81
- Bad Waldsee, 588 m: 1,02
Zone 2 Östliches Seeufer
1,2–1,5 kN/m²
- Langenargen, 399 m: 1,21
- Lindau, 401 m: 1,22
- Tettnang, 466 m: 1,46
- außerdem Kressbronn, Neukirch, Nonnenhorn, Wasserburg, Bodolz, Weißensberg und im Landkreis Ravensburg u. a. Amtzell, Bodnegg, Vogt, Wolfegg, Bad Wurzach
Zone 3 Westallgäu
2,6–3,9 kN/m²
- Wangen im Allgäu, 557 m: 2,76
- Leutkirch im Allgäu, 654 m: 3,49
- Isny im Allgäu, 705 m: 3,91
- außerdem Kißlegg, Argenbühl und der Landkreis Lindau außerhalb des Seeufers, etwa Lindenberg, Scheidegg und Weiler-Simmerberg
Geländehöhen: Städte (Wangen, Leutkirch, Isny) bzw. Wikipedia (übrige Orte). Werte in kN/m² charakteristische Schneelast am Boden. In höher gelegenen Ortsteilen ist die Last größer – nutzen Sie den Rechner mit der Höhe Ihres Grundstücks.
Amtliche Zuordnung
Welche Gemeinde liegt in welcher Zone?
Die Zuordnung erfolgt nach Verwaltungsgrenzen: Für jeden Landkreis legt eine Liste des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) fest, welche Gemeinden in welcher Zone liegen.
| Landkreis | Zone 1 | Zone 2 | Zone 3 |
|---|---|---|---|
| Landkreis Ravensburg (BW) | Alle übrigen Gemeinden, u. a. Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt, Berg, Bad Waldsee, Aulendorf | Achberg, Aichstetten, Aitrach, Amtzell, Bad Wurzach, Bodnegg, Grünkraut, Schlier, Vogt, Waldburg, Wolfegg | Argenbühl, Isny im Allgäu, Kißlegg, Leutkirch im Allgäu, Wangen im Allgäu |
| Bodenseekreis (BW) | Alle übrigen Gemeinden, u. a. Friedrichshafen, Meckenbeuren, Eriskirch, Markdorf, Überlingen, Meersburg, Immenstaad | Kressbronn a. B., Langenargen, Neukirch, Tettnang | – |
| Landkreis Lindau (BY) | – | Bodolz, Lindau (Bodensee), Nonnenhorn, Wasserburg (Bodensee), Weißensberg | Alle übrigen Gemeinden, u. a. Lindenberg, Scheidegg, Weiler-Simmerberg, Heimenkirch, Sigmarszell |
Quelle: Zuordnung der Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen (DIBt), Abschriften für Baden-Württemberg und Bayern. Rechtsverbindlich ist die jeweils eingeführte Fassung (in Baden-Württemberg über die Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen).
Achtung, Nachbarorte: Friedrichshafen und Eriskirch liegen in Zone 1, das benachbarte Langenargen in Zone 2. Meckenbeuren ist Zone 1, Tettnang direkt daneben Zone 2. Bei gleicher Höhe ist die Last in Zone 2 fast doppelt so hoch. Ein Angebot „für den Bodensee“ ohne Ortsbezug reicht deshalb nicht.
Hintergrund
So wird die Schneelast berechnet
Die Norm DIN EN 1991-1-3 mit dem deutschen Nationalen Anhang (Fassung 2019-04) gibt je Zone eine Formel vor, die mit der Geländehöhe A in Metern über Normalhöhennull steigt, und einen Mindestwert.
| Zone | sk in kN/m² | Mindestens |
|---|---|---|
| 1 | 0,19 + 0,91 · ((A + 140) / 760)² | 0,65 |
| 2 | 0,25 + 1,91 · ((A + 140) / 760)² | 0,85 |
| 3 | 0,31 + 2,91 · ((A + 140) / 760)² | 1,10 |
Auf dem Dach wird die Bodenlast mit dem Formbeiwert μ1 multipliziert. Bei Dachneigungen bis 30° – also bei praktisch allen Terrassendächern – ist er 0,8. Ein kN/m² entspricht rund 102 kg je m².
Rechenbeispiel Isny (Zone 3, 705 m): ((705 + 140) / 760)² = 1,236. sk = 0,31 + 2,91 · 1,236 ≈ 3,91 kN/m². Auf dem Dach: 0,8 · 3,91 ≈ 3,13 kN/m², also rund 320 kg je m². Auf 15 m² Dachfläche lasten damit rechnerisch fast fünf Tonnen.
Rechenbeispiel Friedrichshafen (Zone 1, 400 m): Die Formel ergibt 0,65 kN/m², genau der Mindestwert. Auf dem Dach 0,52 kN/m², rund 53 kg je m².
Praxis
Was das für Ihre Überdachung bedeutet
Zulässige Last prüfen
Jedes System ist für eine bestimmte Schneelast freigegeben. Sie muss mindestens so hoch sein wie die Last an Ihrem Grundstück – schriftlich im Angebot.
Höhe des Grundstücks
Maßgeblich ist nicht die Ortsmitte, sondern Ihr Grundstück. In Wangen reicht das Stadtgebiet von 531 bis 709 m – die Last steigt dabei um die Hälfte.
Schnee vom Hausdach
Rutscht Schnee vom Hausdach auf die Überdachung oder sammelt er sich an der Wand, kann die Last dort ein Mehrfaches betragen. Die Statik muss das berücksichtigen.
Versicherung
Schneedruck ist ein Elementarschaden und nur mit Elementarschutz versichert. Hagel und Sturm deckt die Wohngebäudeversicherung. Mehr dazu
Häufige Fragen zur Schneelast
In welcher Schneelastzone liegt Ravensburg?
In Zone 1. Bei rund 450 m ergibt sich eine charakteristische Schneelast von etwa 0,74 kN/m² am Boden und 0,59 kN/m² auf einem flachen Terrassendach, rund 60 kg je m². Mehrere Nachbargemeinden wie Grünkraut, Schlier, Bodnegg und Waldburg liegen bereits in Zone 2.
In welcher Schneelastzone liegt Friedrichshafen?
In Zone 1. Am Ufer greift der Mindestwert von 0,65 kN/m². In höheren Ortsteilen wie Ailingen steigt der Wert leicht, am Horach auf 502 m etwa auf 0,84 kN/m².
Warum liegt Lindau in Zone 2 und Lindenberg in Zone 3?
Weil die Zonen nach Verwaltungsgrenzen und Klimadaten festgelegt sind. Im Landkreis Lindau gehören nur die Seeufergemeinden Lindau, Bodolz, Nonnenhorn, Wasserburg und Weißensberg zu Zone 2, alle anderen zu Zone 3.
Was bedeutet Zone 3 für Preis und Bauweise?
Das Dach muss ein Vielfaches tragen: kräftigere Sparren, engere Sparrenabstände, dickeres Glas oder zusätzliche Stützen. Viele einfache Bausätze sind dafür nicht freigegeben. Rechnen Sie mit dem oberen Teil der Preisspanne und lassen Sie sich die Statik für Ihren Standort bestätigen.
Muss ich im Winter Schnee vom Terrassendach räumen?
Ein richtig bemessenes Dach trägt die Last seiner Zone. Bei außergewöhnlichen Mengen, Verwehungen oder abgerutschtem Schnee vom Hausdach kann Räumen trotzdem sinnvoll sein – vom Boden aus, ohne das Dach zu betreten, und nach den Hinweisen des Herstellers.
Gilt die Schneelast auch für ein Lamellendach?
Ja. Lamellendächer haben eine zulässige Schneelast und oft eine vorgeschriebene Lamellenstellung für den Winter. In Zone 2 und 3 prüfen Sie diesen Wert besonders genau. Zum Lamellendach
Wie genau ist der Rechner?
Er rechnet die charakteristische Schneelast nach der Formel der Norm und den Formbeiwert 0,8. Verwehungen, Schneesäcke an der Hauswand, Wind und Sonderfälle bleiben außen vor. Er ersetzt keine Statik, hilft aber, ein Angebot einzuordnen.
Statik passend zu Ihrem Grundstück
Ein Fachbetrieb aus der Region legt Ihre Überdachung auf Zone und Höhe Ihres Grundstücks aus – kostenlos und unverbindlich angefragt.
Quellen
- Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen, Baden-Württemberg (Abschrift der DIBt-Liste)
- Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen, Bayern (Abschrift der DIBt-Liste)
- DIBt: Zuordnung der Wind- und Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen
- DIN EN 1991-1-3/NA:2019-04 (DIN Media)
- Architektenkammer Baden-Württemberg: Merkblatt 611, VwV Technische Baubestimmungen
- Energiefluss24: Schneelast nach DIN EN 1991-1-3/NA – Formeln je Zone
- Stadt Wangen im Allgäu: Neubürgerbroschüre (Höhenangaben)
- Stadt Leutkirch im Allgäu: Zahlen & Fakten (654 m ü. NN)
- Stadt Isny im Allgäu: Rathaus auf 705 m NN
- Verbraucherzentrale: Versicherungsschutz für Elementarschäden