Baugenehmigung · Baden-Württemberg & Bayern

Bau­genehmigung für die Terrassen­überdachung am Bodensee und in Oberschwaben

Bis 30 m² ist eine Terrassenüberdachung meist verfahrensfrei – in Baden-Württemberg wie in Lindau. Aber: In den Altstädten von Überlingen, Leutkirch und auf der Lindauer Insel gelten strengere Regeln, und jede Stadt hat ihre eigene Behörde. Hier steht, was wo gilt.

Rechtsstand: LBO BW vom 16.03.2026, BayBO gültig ab 01.05.2026Autor: Daniel Niedermayer

Kurz gesagt
  • Landkreis Ravensburg und Bodenseekreis (Baden-Württemberg): Terrassenüberdachungen sind im Innenbereich bis 30 m² Grundfläche verfahrensfrei, Dachterrassen ausgenommen (LBO, Anhang 1 Nr. 1 l).
  • Lindau (Bayern): verfahrensfrei bis 30 m² Fläche (Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 g BayBO).
  • Ausnahmen vor Ort: In der Überlinger Altstadt brauchen auch kleine Überdachungen das Kenntnisgabeverfahren, ebenso verfahrensfreie Vorhaben im Geltungsbereich der Leutkircher Altstadtsatzung. Auf der Lindauer Insel gilt eine Gestaltungssatzung, die auch für verfahrensfreie Vorhaben greift.
  • Immer: Bebauungsplan, Abstandsflächen und Denkmalschutz gelten auch ohne Genehmigungsverfahren.

Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindlich ist die Auskunft der zuständigen Baurechtsbehörde.

Landesbauordnung BW

Baden-Württemberg: Landkreis Ravensburg und Bodenseekreis

Anhang 1 der Landesbauordnung zählt die verfahrensfreien Vorhaben auf. Unter Nr. 1 l stehen „Terrassen und Terrassenüberdachungen im Innenbereich bis 30 m² Grundfläche, außer Dachterrassen und ihre Überdachungen“.

  • Innenbereich: vereinfacht gesagt innerhalb eines bebauten Ortsteils oder im Geltungsbereich eines Bebauungsplans. Bei Einzelhöfen und Weilern – im Allgäu und im Hinterland häufig – liegt das Grundstück oft im Außenbereich. Dann vorher fragen.
  • 30 m² Grundfläche: gemessen wird die überdachte Fläche. 6 × 5 m sind genau 30 m², 6 × 5,5 m schon zu viel.
  • Keine Dachterrasse: Überdachungen auf einem Flachdach oder einer Garage fallen nicht unter die Ausnahme.

Nach § 50 Abs. 5 LBO müssen verfahrensfreie Vorhaben trotzdem allen öffentlich-rechtlichen Vorschriften entsprechen – Bebauungsplan, Abstandsflächen, örtliche Bauvorschriften und Denkmalschutz.

Abstand zur Grenze: Bei der Bemessung der Abstandsflächen bleiben Terrassenüberdachungen nur außer Betracht, wenn sie nicht mehr als 1,5 m vor die Außenwand vortreten (§ 5 Abs. 6 Nr. 1 LBO). Übliche Überdachungen sind tiefer. Bei Grenznähe klären Sie das vorab.

Bayerische Bauordnung

Bayern: Lindau

Lindau ist die einzige Stadt dieser Seite, die in Bayern liegt. Dort sind nach Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 g BayBO „Terrassenüberdachungen mit einer Fläche bis zu 30 m²“ verfahrensfrei. Eine Beschränkung auf den Innenbereich nennt der Wortlaut nicht.

  • Nur das Dach: Nach der FAQ des bayerischen Bauministeriums, auf die sich ein Architektenbeitrag stützt, fällt nur eine reine Überdachung unter die Ausnahme. Mit Seitenwänden ist es keine Terrassenüberdachung mehr.
  • Abstandsflächen: Art. 6 BayBO gilt neben der 30-m²-Regel weiter.
  • Anforderungen bleiben: Nach Art. 55 Abs. 2 BayBO entbindet die Verfahrensfreiheit nicht von den übrigen Vorschriften.
  • Bauantrag: Wird doch einer nötig, reichen Sie ihn bei der Bauaufsichtsbehörde ein (Art. 64 BayBO) – in Lindau bei der Stadt selbst.

Die bayerischen Nachbarn am See – Wasserburg, Nonnenhorn, Bodolz – gehören zum Landkreis Lindau. Für sie ist nicht die Stadt Lindau, sondern das Landratsamt Lindau zuständig.

Örtliches Recht

Örtliche Satzungen: wo strengere Regeln gelten

Gemeinden dürfen mit örtlichen Bauvorschriften eigene Regeln aufstellen – auch für Vorhaben, die nach Landesrecht verfahrensfrei sind. In der Region betrifft das vor allem historische Altstädte.

Überlingen · Altstadt

Kenntnisgabe statt verfahrensfrei

Die Altstadtsatzung vom 25.09.2024 gilt innerhalb der mittelalterlichen Mauern, der Stadtgräben und am Seeufer. Terrassenüberdachungen bis 30 m² Grundfläche unterliegen dort dem Kenntnisgabeverfahren (Anlage 3 Nr. 1 f). Die Satzung regelt außerdem Dachdeckung, Fassaden und Markisen.

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Leutkirch · Altstadt

Kenntnisgabe für verfahrensfreie Vorhaben

Die Altstadtsatzung (geändert 2009) bestimmt in § 2, dass im Geltungsbereich sonst verfahrensfreie Vorhaben das Kenntnisgabeverfahren durchlaufen. Vordächer sind nur ausnahmsweise zulässig.

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Lindau · Insel

Gestaltungssatzung und Ensembleschutz

Die Baugestaltungssatzung für die Insel (2011) gilt auch für verfahrensfreie Vorhaben. Überdachungen von Altanen sind dort nicht zulässig. Zudem steht die Insel unter Ensembleschutz.

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Wangen & Isny · Altstadt

Altstadtsatzungen vorhanden

Beide Städte haben Satzungen über örtliche Bauvorschriften für ihre Altstädte. Wer dort oder am Rand der Altstadt baut, klärt vorab mit der Stadt, was für die Überdachung gilt.

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Auch außerhalb der Altstädte lohnt der Blick in den Bebauungsplan. Die Stadt Weingarten weist ausdrücklich darauf hin, dass örtliche Satzungen verfahrensfreie Vorhaben einschränken oder ausschließen können – und nennt feste Terrassenüberdachungen als Beispiel. In Ravensburg braucht ein Vorhaben an einem Kulturdenkmal eine denkmalrechtliche Genehmigung, auch wenn es baurechtlich genehmigungsfrei wäre.

Was ist das Kenntnisgabeverfahren? Ein vereinfachtes Verfahren nach der LBO Baden-Württemberg: Sie reichen die Bauvorlagen bei der Baurechtsbehörde ein, eine Baugenehmigung wird nicht erteilt. Gebaut werden darf erst nach Ablauf der gesetzlichen Fristen. Die Vorlagen erstellt in der Regel ein Entwurfsverfasser – fragen Sie den Montagebetrieb, ob er das übernimmt.

Zuständigkeit

Welche Behörde ist zuständig?

Für die Städte dieser Seite ist es nicht das Landratsamt: Große Kreisstädte, Verwaltungsgemeinschaften und Verbände sind selbst Baurechtsbehörde. Das Landratsamt Bodenseekreis ist für zehn kleinere Gemeinden zuständig.

OrtZuständige BaurechtsbehördeAuch zuständig für
RavensburgStadt Ravensburg, Bauordnungsamt, Salamanderweg 22–
WeingartenStadt Weingarten, Baurechtsbehörde, Schussenstraße 9–
Bad WaldseeStadt Bad Waldsee, Abteilung Baurecht, Hauptstraße 29Bergatreute
Wangen im AllgäuStadt Wangen im Allgäu, untere Baurechtsbehörde–
Leutkirch im AllgäuStadt Leutkirch, Bauordnung, Spitalgasse 1–
Isny im AllgäuStadt Isny, Stadtbauamt, Wassertorstraße 1–3–
FriedrichshafenBauordnungsamt der Verwaltungsgemeinschaft Friedrichshafen-Immenstaad, Charlottenstraße 12Immenstaad
ÜberlingenBaurechtsbehörde der Verwaltungsgemeinschaft Überlingen-Owingen-SipplingenOwingen, Sipplingen
MarkdorfBaurechtsamt des Gemeindeverwaltungsverbands Markdorf, Schlossweg 10Bermatingen, Deggenhausertal, Oberteuringen
TettnangStadt Tettnang, Amt für Bauordnung (Umzug ins StadTTforum angekündigt)–
LangenargenGemeindeverwaltungsverband Eriskirch-Kressbronn-LangenargenEriskirch, Kressbronn
LindauStadt Lindau, Bauordnung und Bauverwaltung, Bregenzer Straße 8–
Meckenbeuren, Meersburg, Salem, Hagnau, Uhldingen-Mühlhofen u. a.Landratsamt Bodenseekreis, Albrechtstraße 77, Friedrichshafeninsgesamt 10 Gemeinden

Quellen: Landratsamt Bodenseekreis (Liste der Baurechtsbehörden), Websites der Städte und Verbände, Stand Oktober 2026. Einzelheiten und Links auf den Ortsseiten. Für Gemeinden im Landkreis Ravensburg ohne eigene Baurechtsbehörde ist das Landratsamt Ravensburg zuständig (Bau- und Umweltamt, Friedenstraße 6, Ravensburg).

Typische Stolperfallen

Bebauungsplan und Baugrenze

Viele Bebauungspläne legen Baugrenzen, Dachformen oder Farben fest. Liegt die Terrasse außerhalb der Baugrenze, kann es trotz 30 m² Probleme geben. Die meisten Städte der Region stellen ihre Pläne online – die Links stehen auf den Ortsseiten.

Nähe zum Nachbarn

Bei Reihen- und Doppelhäusern liegt die Terrasse oft an der Grenze. Abstandsflächen können dann ein Thema werden. Sprechen Sie früh mit den Nachbarn und klären Sie die Regeln mit der Behörde.

Seitenwände nachrüsten

Wer zuerst ein Dach baut und später Glaswände ergänzt, macht daraus womöglich einen Wintergarten. Dann ist in der Regel eine Genehmigung nötig. Mehr zum Kaltwintergarten

Denkmal und Ensemble

Ravensburg, Wangen, Isny, Leutkirch, Überlingen, Meersburg und die Lindauer Insel haben historische Kerne mit vielen Kulturdenkmalen. Am Denkmal oder in seiner Umgebung kann eine denkmalrechtliche Genehmigung nötig sein, auch wenn die Überdachung sonst verfahrensfrei wäre.

Außenbereich

Höfe, Weiler und Einzelhäuser im Allgäu und im Hinterland liegen oft im Außenbereich. Die BW-Ausnahme gilt nur im Innenbereich – hier also vorher bei der Behörde nachfragen.

Checkliste

Vor der Bestellung

  1. Fläche ausrechnen: unter 30 m²?
  2. Bundesland: Baden-Württemberg – oder Lindau in Bayern?
  3. Innen- oder Außenbereich: gerade bei Höfen und Weilern klären.
  4. Bebauungsplan online oder bei der Stadt einsehen.
  5. Altstadt- oder Gestaltungssatzung prüfen (Überlingen, Leutkirch, Wangen, Isny, Lindau-Insel).
  6. Denkmal im Umfeld? Dann denkmalrechtlich nachfragen.
  7. Grenzabstand prüfen, Nachbarn informieren.
  8. Statik für Schneelastzone und Höhe Ihres Grundstücks bestätigen lassen.

Häufige Fragen zur Bau­genehmigung

Brauche ich in Baden-Württemberg eine Baugenehmigung für eine Terrassenüberdachung?

Nein, wenn sie im Innenbereich liegt, höchstens 30 m² Grundfläche hat und keine Dachterrasse überdacht (LBO, Anhang 1 Nr. 1 l). Bebauungsplan, Abstandsflächen und örtliche Satzungen müssen Sie trotzdem einhalten.

Brauche ich in Lindau eine Baugenehmigung?

Bis 30 m² Fläche nicht (Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 g BayBO). Auf der Insel gilt aber die Baugestaltungssatzung auch für verfahrensfreie Vorhaben, und das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Fragen Sie dort vorher bei der Stadt nach.

Was gilt in der Altstadt von Überlingen?

Nach der Altstadtsatzung von 2024 unterliegen Terrassenüberdachungen bis 30 m² dort dem Kenntnisgabeverfahren. Sie brauchen also Bauvorlagen, auch wenn die Überdachung anderswo verfahrensfrei wäre. Zusätzlich gelten Gestaltungsregeln.

Gilt die 30-m²-Grenze für das Dach oder die Terrasse?

Für die Überdachung. Baden-Württemberg spricht von Grundfläche, Bayern von Fläche. Entscheidend ist, wie viel Fläche das Dach überdeckt.

Was passiert, wenn ich ohne nötige Genehmigung baue?

Die Behörde kann einen nachträglichen Antrag verlangen, die Nutzung untersagen oder den Rückbau anordnen. Dazu können Bußgelder kommen – die Überlinger Altstadtsatzung etwa sieht bis zu 100.000 € vor. Eine kurze Anfrage vorab ist deutlich günstiger.

Ist für mich das Landratsamt zuständig?

Bei den Städten dieser Seite nicht: Ravensburg, Weingarten, Bad Waldsee, Wangen, Leutkirch, Isny, Tettnang und Lindau sind selbst zuständig, Friedrichshafen, Überlingen, Markdorf und Langenargen über ihre Verwaltungsgemeinschaft bzw. ihren Verband. Das Landratsamt Bodenseekreis ist für zehn Gemeinden zuständig, darunter Meckenbeuren, Meersburg und Salem.

Brauche ich für einen Wintergarten eine Genehmigung?

In der Regel ja, denn die Ausnahmen gelten nur für offene Überdachungen. Mehr zum Kaltwintergarten

Richtig planen von Anfang an

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Quellen

  1. Landesbauordnung Baden-Württemberg, Anhang 1 (zu § 50 Abs. 1), Stand 16.03.2026
  2. Landesbauordnung Baden-Württemberg, § 50
  3. Landesbauordnung Baden-Württemberg, § 5 Abstandsflächen
  4. Bayerische Bauordnung, Art. 57 (gültig ab 01.05.2026)
  5. Bayerische Bauordnung, Art. 64 Bauantrag
  6. Schels Architektur: Terrassenüberdachung und Wintergarten in Bayern
  7. Stadt Überlingen: Altstadtsatzung vom 25.09.2024
  8. Stadt Leutkirch im Allgäu: Altstadtsatzung
  9. Stadt Lindau (B): Baugestaltungssatzung Insel (2011)
  10. Stadt Wangen im Allgäu: Ortsrecht (Altstadtsatzung)
  11. Stadt Isny im Allgäu: Satzungen (Altstadtsatzung)
  12. Stadt Weingarten: FAQ Bauen
  13. Stadt Ravensburg: Denkmalpflege
  14. Landratsamt Bodenseekreis: Baurechtsbehörden im Bodenseekreis
  15. Landratsamt Ravensburg: Bau- und Umweltamt